Tacitus schreibt im Kapitel 40 seiner Germania über verschiedene Stämme in der Nachbarschaft der Langobarden. Die Hervorhebungen stammen vom Autor dieses Artikels.
Tacitus schreibt im 40. Kapitel seiner Germania:
"Sonst bemerkenswerthes findet sich bei diesen Stämmen nichts als ihre gemeinschaftliche Verehrung der Göttin Nerthus, das heißt der Mutter Erde, welche persönlich hier unten erscheinen und von Volk zu Volke fahren soll.
Auf einem Eiland des Ozeans ist ein heiliger Hain und in ihm steht mit einem Tuche bedeckt ein geweihter Wagen. Nur der Priester darf ihn berühren; er auch erkennt, wenn die Göttin in ihrem Heiligtume weilt und geleitet andachtsvoll ihren von weiblichen Rindern gezogenen Wagen.
Da ist dann fröhliche Zeit und Festlichkeit allerwärts wo die Göttin einzuziehen und zu verweilen geruht.
Niemand zieht in den Krieg, niemand greift zum Schwert, alle Waffen sind geborgen; die einzige Zeit wo man Frieden und Ruhe kennt, die einzige wo man sie lieben lernt, bis die Göttin, des Verkehrs unter Sterblichen satt, von demselben Priester in ihr Heiligtum zurückgebracht wird.
Dort werden Wagen und Gewand und – wer es glauben mag – die Göttin selbst in einem geheimen See gebadet. Die Gehilfen dabei sind Sklaven, welche alsbald jener See verschlingt. Darum schwebt geheimes Grauen und heiliges Dunkel um ein Wesen das der Mensch nur schauen darf um zu sterben."
Nerthus ist eine germanische Göttin der Erde, Fruchtbarkeit und des Wachstums, die besonders von nordseegermanischen Stämmen verehrt wurde.
Tacitus beschreibt hier ein Ritual der Langobarden und ihrer benachbarten Stämme. Könnten die Germanen unserer Gegend, ein ähnliches Ritual am Opfermoor abgehalten haben? Könnte daher der Brauch des Schössmeiers stammen, verändert durch viele Jahrhunderte?
Donnerwetter.
Text und Foto: Michael Zeng