Karfreitag in der Alten Zeit (Mitte 19. Jahrhundert)

Die Zeitschrift Gartenlaube berichtet im Jahr 1857 über die Vogtei.

Zuerst beschreibt der Autor generell die Vogtei Mitte des 19. Jahrhunderts. Dann erzählt er von der Geschichte der Vogtei. Schließlich schildert der Autor das Geschehen am Karfreitag als wichtigen Tag im Vogteier Jahreslauf: 

"Wandern wir nun selbst in die Landschaft ein und suchen uns durch Augenschein ein frisches Bild dieses seltsamen Völkchens zu schaffen.

Fünf Tage des Jahres können uns da am besten über Trachten und Sitten aufklären.

Karfreitag in der Vogtei:

"Der erste ist der Charfreitag. Eine feierliche Stille herrscht durch das ganze Dorf, kaum sieht man ein altes Mütterchen hinter dem Fenster stehen und vorlugen; Alles, was gehen kann, ist in der Kirche; die Einsegnung der Confirmanden und der Genuß des Abendmahls hat die Bewohner dahin gerufen. Jetzt ist die Kirche aus, die Thüre öffnet sich. Kommt eine Procession heraus oder ist wie bei den Katholiken Hochamt gewesen, oder hat jeder Bewohner seine Kirchendienerin?"

Kleidung der Frauen beim Kirchgang:

"Nein, das Alles nicht; es sind die Bewohner selbst in ihrem Sonntagsstaat, und vorzüglich die „Freiben“ (Frauen) und „Maichen“ (Mädchen), die diese Befürchtungen aufkommen ließen. Ein langer weißer Mantel, ganz nach Art eines Chormantels, in viele Falten am Hals gelegt, umschlingt die Gestalten dermaßen, daß nur die grünen und blauen Tuchschuhe mit Lederbesatz und großen silbernen und stählernen Schnallen, durch die meistentheils ein hellgrünes Band als Schleife gezogen ist, und die schwarzen Strümpfe eigentlich hervorsehen, denn auf dem Kopfe thront die Schnorrbätzen (Mütze) und verdeckt Haar und Hals. Diese Mütze besteht aus einer kleinen Haube von Pappe, die mit schwarzer Seide oder Atlas überzogen ist und in dergleichen Bänder ausläuft. Schneeweiße Spitzen (von deren gebrannter runder, welliger Form das „Schnorr“), die zur Seite wie ein geöffnetes Scheuerthor in die Welt hinausstehen und oben auf der Stirne in eine Schneppe zusammenlaufen, umfassen die Kante der Haube. Zwischen diesen Schnorrbätzen hindurch windet sich noch ein anderer Kopfputz bei sonst gleicher Kleidung. Es ist der Spitzen-, auch Duten-Heit (Hut) einer Gevatterin. Ein Posamentirladen hat da sicher seinen ganzen Spitzenvorrath hergeben müssen, um dieses Kunstwerk der Mode auszustaffiren! Der Hut besteht aus dem einfachen Dutenhut, aber bis in’s Unendliche mit zierlichen Spitzen in den verschiedensten Formen umwunden. Leider konnte ich hiervon keine Zeichnung machen, indem diese Kopfbedeckung nur äußerst selten bei besondern festlichen Tauffällen vorkommt, und dann allemal erst zwei Tage vorher (so viel Zeit erfordert sie nämlich bei einer geschickten Putzmacherin nach Aussage einer Vogteier Frau) angefertigt, und nach Beendigung des Festes gleich wieder zerlegt wird."

So gingen die Männer Karfreitag in die Kirche:

"Gravitätisch schreitet der Mann oder Bursche einher; ein langer, enganliegender, kurztailliger grüner oder blauer Ueberrock mit blanken Knöpfen, die dicht aneinander in zwei Reihen aufgenäht sind und mit einem stehkragenähnlichen Kragen umschließt seine Gestalt; lederne gelbliche Beinkleider reichen bis zum Knie und sind hier mit langen schmalen Riemen zusammengebunden, so daß aber noch eine Menge davon zum Herumbummeln übrig bleibt. Enge Halbstiefeln umfassen das wadenlose Bein und lassen die grauweißen Strümpfe ein Stückchen hervorsehen. Der Kopf erhebt sich zwischen dem über den Rockkragen hervorragenden, mit meist dunkel buntem Tuche unterbundenen gesteppten weißen Hemdkragen, stolz die Lampe, einen Dreimaster von ungeheuren Dimensionen, balancirend. Alte Leute kommen mit dem Stoab (Stab) angewankt, und besteht dieser aus einem Stück Latte von Zweidrittel Höhe des Trägers."

Achtung: Zulassungsbescheinigungen aktualisieren

Sehr geehrte Mitbügerinnen und Mitbürger,

seit 2013 werden die Ortsteile Oberdorla, Niederdorla, Langula postalisch als Gemeinde Vogtei ausgewiesen.

Derzeit findet ein Abgleich zwischen den Adressen in den Zulassungsbescheinigungen der Fahrzeuge und dem tatsächlichen Wohnort statt.

Viele Zulassungen sind noch auf unsere früheren Ortschaften ausgestellt.

In der Zulassung (Rückseite) ist vermerkt, dass die Angaben ständig den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen müssen. …. Unterlassung ….. kann durch Geldbußen geahndet werden. (Ehrlich, so genau werden die wenigsten das Papier kennen.)

Aber dies mussten einige unserer Mitbürger schon schmerzlich erfahren.

Bitte überprüfen Sie deshalb die Zulassungen der Kraftfahrzeuge, Anhänger, Traktoren usw. bezüglich der aktuellen Adresse. Ist die Adresse nicht mehr aktuell, bitte schnell einen Termin zu Aktualisierung vereinbaren, das spart zumindest das Bußgeld.

eine schöne Weihnachtszeit,
Thomas Golebniak

Vogtei, 8.12.2025

Zwei Chöre und eine Band bieten dreimal Vielfalt

Zum 22. Liederabend sind die Chöre aus Niederdorla und Kammerforst gemeinsam auf der Bühne in Niederdorla.
Zum 22. Liederabend sind die Chöre aus Niederdorla und Kammerforst gemeinsam auf der Bühne in Niederdorla.

Zum 22. Liederabend des Gesangvereins Niederdorla kamen wieder ein Gastchor und eine Band in den Saal des Dorfkrugs, der Schenke des Vogteidorfes. Eingeladen waren der Volkschor Kammerforst und das Duo “10Saitig”.

Zeitliche Dimensionen

Für die Betrachtung der Vergangenheit ist es wichtig, sich die Dauer von Zeiträumen deutlich zu machen. Wie lange dauerte eine Epoche?

Zur Geburt klirrten die Waffen

Die Ursprünge der heutigen Vogtei liegen in einer Fehde, einer bewaffneten Auseinandersetzung im 14. Jahrhundert.

Die Grafiken zeigen Ritter und Bewaffnete in Mitteleuropa um 1333. Die Grafiken erstellte ChatGPT aufgrund historischer Fakten und Funde. Bei der Erstürmung des Normannsteins werden einige Ritter und viele Bewaffnete beteiligt gewesen sein. So sahen die aus.

Ritter trugen um 1333 bereits hoch funktionale Helme mit Visier sowie Arm- und Beinpanzer. Allerdings spielte das Kettenhemd noch eine wichtige Rolle, um Nacken, Hals und Rumpf zu schützen. Der Rumpf wurde mit einem relativ großen Schild geschützt. Das wurde später immer kleiner und verschwand im späten Mittelalter, weil dann die Ritter vollständig beweglich gepanzert waren. Grafik: ChatGPT nach historischen Fakten.
Bewaffnete trugen Speer, Schild und einen Helm ohne Visier. Wer es sich leisten konnte oder wem die Herrschaft das bezahlte, trug ein Kettenhemd. Ansonsten war der Körper geschützt durch dicke textile Polster. Mit einem Speer konnte man sich sogar gut gegen einen Kämpfer mit Schwert verteidigen, weil der Speer länger war als ein Schwert. Schwerter waren Statussymbole. Grafik: ChatGPT nach historischen Fakten.

Wer kämpfte da gegen wen?

Im Jahr 1333 und nochmal 1336 wurde die Burg Normannstein in Treffurt gestürmt. Dort saßen die Herren von Treffurt. Die hatten als Raubritter ihre Nachbarn mehrfach überfallen. 1333 und 1336 schlossen sich die Landgrafschaften von Hessen, Thüringen und das Erzbistum Mainz zusammen und belagerten den Normannstein. Die Burg wurde erobert, die Herren von Treffurt entmachtet, vertrieben oder getötet.

Die Sieger verwalteten fortan gemeinsam das Erbe der Treffurter. Dazu gehörten auch Rechte der Treffurter in der Vogtei, die bis dahin allein zu Mainz gehört hatte. Graf Wigger hatte die drei Dörfer dem Mainzer Stift geschenkt.  Die Gesamtheit von Langula, Niederdorla und Oberdorla hieß damals noch Mark Dorla. Eine Mark war ein Grenzgebiet in Richtung Slawen

Durch das gemeinsame Verwalten des Erbes der Herren von Treffurt entstand die Dreiherrschaft über die Dörfer Langula, Niederdorla und Oberdorla durch Mainz, Sachsen und Hessen.  Diese Herrschaft wurde Ganerbschaft Treffurt genannt. Die dauerte bis 1802/3. Da kam die Vogtei komplett zu Preußen und blieb bis 1945 preußisch.

Vogteier Geschmink, Rezept

Vor und nach dem Backen im (Bäcker)Ofen.

Das Rezept nach Charlotte "Lottchen" Zeng (1918-2004) aus Niederdorla, geprüft und ergänzt vom Profi-Koch Alexander Görmar:

Am Sonntag nach dem 14. September wird in den drei Dörfern der Vogtei Kirmes gefeiert. Dabei wurde und wird Hammelfleisch gegessen: Lappensuppe (Magen), Hammelbraten und als Höhepunkt: Geschmink:

Dieses Gericht gibt es nur bei uns!
So wird Geschmink gekocht!

Zutaten:

zu gleichen Teilen Hammel- und Schweinefleisch

Kartoffeln

Zwiebeln

Knoblauch

Salz, Kümmel

pro Person eine reife Birne

So wird's gemacht:

1. Fleisch in einem großen Topf anbraten

2. Die rohen Kartoffeln in Scheiben schneiden, wie für Bratkartoffeln. Tipp vom Chefkoch: "Vorwiegend festkochende" Kartoffeln verwenden.

3. Die Kartoffeln mit dem Gemüse und den Gewürzen mischen.

4. Das Gemisch in den Topf schichten. Dabei das Fleisch in der Mitte platzieren.

5. Die Birnen halbieren und obenauf legen.

6. Soviel Wasser hinzugeben, bis die oberste Schicht knapp bedeckt ist.

7. Alles eine halbe Stunde lang kochen.

8. Danach den Topf geschlossen in den vorgeheizten Ofen stellen.

9. Oberfläche des Geschminks ab und zu mit Butter bestreichen. Je nach Geschmak mit gehackten Zwiebeln bestreuen.

10. Das Geschmink bei 200 Grad Celsius solange backen, bis die Oberfläche braun und knusprig ist.

Das Backen kann mindestens zwei Stunden dauern!

INFO: Früher wurde das Geschmik für die ganze Familie zubereitet. Dazu bereiteten die Hausfrauen das Geschmink in großen bedeckten Pfannen vor. Anschließend wurden die Pfannen zum Bäcker gebracht. Dort wurde das Geschmink im Backofen fertig gebacken.

Autorin: Charlotte Zeng, Niederdorla

Der 4. Vogteier Herbstmarkt oder wie man Gutes tut

Volker Wolf, Uwe Köhler, Torsten Stollberg von links. Foto Vogteizeitung
Volker Wolf, Uwe Köhler, Torsten Stollberg von links. Foto Vogteizeitung
Am 6. September 2025 fand mitten in der Vogtei, vor Möbel-Jaeger der 4. Vogteier Herbstmarkt statt. Der Markt bietet regionalen Erzeugern einen Marktplatz und regionalen Vereinen eine Möglichkeit, sich einzubringen. Besucher aus nah und fern wussten das zu schätzen. Auch Kinder und Senioren kamen auf ihre Kosten.

Die Niederdorlaer Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes spendete 200 Euro für das Kinder- und Jugendhospiz in Tambach-Dietharz. Wann, wo, warum?

Wann´s Kärmse äß, wanns Kärmse äß

Wann´s Kärmse äß, Text des Liedes von Hermann Herwig
Erstellt von Vogteizeitung


Wann´s Kärmse äß, wanns Kärmse äß

do frait sich Jung un Aalt.

Do waren schunt dn Tuag verrhar

de Buden uf gestaalt.

Wanns Kärmse äß, wanns Kärmse äß

do äß bi uns was lu-es,

do gätts Musik dn ganzen Tuag,

gätt Lärm un Schtimmung blu-eß.


Wanns Kärmse äß, wanns Kärmse äß

do luadn me Giaste iin,

do wärd gebrebbelt un geschmort

vun Re-ind un Schoof un Schwiin.

Wanns Kärmse äß, wanns Kärmse äß

äß keins än grobes Tier,

do wärd gebillepert un gebiitscht,

Brantewien, Likör un Beer.

Wanns Kärmse äß, wanns Kärmse äß

äß ufn Anger Taanz,

dn zweiten Tuag äß Haamelfuahrt,

de-i machts Vergnegn gaanz.

Wanns Kärmse äß, wanns Kärmse äß,

gäts mannchen ru-eten Kopf,

de Kärmsepräddjt, de-i sorjt drveer,

dann erwischt wärd mancher Tropf.


Text: Hermann Herwig, Melodie: Volksweise

abgeschrieben aus dem „Vogteier Liederbuch“.

Der 14. September 325 oder was die Vogteier Geschichte mit der Weltgeschichte verbindet

Der kirchliche Feiertag Kreuzerhöhung am 14. September hat in der Vogtei eine besondere Bedeutung. 

Die älteste und größte Steinkirche der Vogtei wurde am 14. September 1274 geweiht. Der 14. September wurde gewählt, weil dieser Tag der kirchliche Feiertag Kreuzerhöhung ist.


Die heutige Oberdorlaer Kirche war vor 751 Jahren die einzige Kirche für die drei Dörfer Langula, Niederdorla und Oberdorla. Das Gotteshaus gehörte zum Oberdorlaer Stift. Ein Stift ist eine Art Kloster, aus der die Insassen wieder austreten können. Das Stift in Oberdorla war ein Stift für Männer. Die wurden Chorherren genannt. So konnten viele junge Vogteier in das Stift eintreten und nach einer Ausbildung wieder austreten. 


Der Feiertag Kreuzerhöhung war ein stiller Feiertag mit vielen Ritualen. Deshalb konnte nicht am gleichen Tag Kirmes gefeiert werden. Der Kirmes-Sonntag ist ja der Jahrestag der Weihe der Kirche. Deshalb erhielten die Chorherren die bischöfliche Erlaubnis, am Sonntag nach Kreuzerhöhung Kirmes feiern zu dürfen.


Was bedeutet der Feiertag Kreuzerhöhung?


Der römische Kaiser Konstantin I. der Große war Kaiser von 306 bis 337 nach Christus. Unter ihm wurde das Christentum Staatsreligion im Römischen Reich. Kaiser Konstantin ließ in Jerusalem über dem Grab Christi die Grabeskirche errichten. Die Mutter des Kaisers Konstantin hieß Helena.


Die Kaisermutter Helena sandte 325 eine Expedition nach Jerusalem, die das wahre Kreuz Christi suchte und fand. Das war möglich, weil die Kreuzigungen zur Zeit Jesu in einem schon damals ehemaligen Steinbruch erfolgten. Diese Stelle war auch zur Zeit von Kaisermutter Helena nicht bebaut. So wurde dort ein Kreuz ausgegraben, das durch verschiedene Zeichen und Wunder als das wahre Kreuz Christi erkannt wurde. 


Das Kreuz wurde am 14. September 325 gefunden. Nach seinem Auffinden wurde jedes Jahr am 14. September das Kreuz in Jerusalem aufgestellt. Es wurde erhöht. Daher der Name Kreuzerhöhung. Das war quasi eine Massenveranstaltung, weil viele Pilger und Gläubige kamen, um das Kreuz zu sehen und den Augenblick der Erhöhung zu erleben. 


Im Jahr 614 eroberten die Perser Jerusalem und nahmen das Kreuz mit in ihre Hauptstadt. Die Stadt Seleukeia-Ktesiphon befand sich in der Nähe des heutigen Bagdad.


Erst 630 kam das Kreuz wieder zurück nach Jerusalem. Der persische König war gestürzt worden und dessen christliche Tochter gab das Kreuz den Christen in Jerusalem zurück.


638 wurde Jerusalem von Muslimen erobert und das Kreuz verschwand von der Bildfläche. 


1099 eroberten Kreuzfahrer Jerusalem und fanden das Kreuz in einer Kiste im Keller der Grabeskirche. Die Kreuzfahrer führten das Kreuz bei ihren Kriegszügen und Schlachten bei sich. 


1187 verloren die Kreuzfahrer die Schlacht bei Hattin gegen die Muslime. Durch die verlorene Schlacht ging das christliche Königreich Jerusalem unter und die Kreuzfahrer mussten sich nach und nach aus dem Heiligen Land zurückziehen. Das Kreuz kam wieder in muslimische Hand. 


In den Jahren bis 1204 gelangte das Kreuz in das christliche Konstantinopel. Das war die Stadt, die der oben erwähnte Kaiser Konstantin bauen ließ und die zur Hauptstadt des oströmischen Reiches wurde. Die Stadt trug den Namen ihres Erbauers. Das oströmische Kaiserreich wurde Byzanz genannt. Die Byzantiner kamen auf die Idee, das Kreuz Christi zu zerteilen in größere und winzige Teile.


1204 eroberten christliche Kreuzfahrer aus Westeuropa das christliche Kaiserreich Byzanz. Ein geplanter Kreuzzug ins Heilige Land ging schief und die Kreuzfahrer wurden nach Byzanz umgeleitet. In Konstantinopel fanden die Kreuzfahrer die Splitter des Heiligen Kreuzes. Diese nahmen die Kreuzfahrer mit nach Westeuropa, wo diese dann verteilt wurden. Größere Teile des Kreuzes blieben direkt in kirchlicher Hand, in Kirchen und Klöstern. So im Hildesheimer Dom und im Kloster Scheyen nahe München. 


Der Feiertag Kreuzerhöhung verbindet Weltgeschichte mit Vogteier Geschichte. Die Vogtei ist das wert. Darauf können wir stolz sein.