Oberförster Brehme und Baehr geehrt

Steinmetz Christian Stiefel (links) erklärt dem Vorsitzenden der Laubgenossen die Sanierung der Grablege Eduard Brehmes.

Steinmetz Christian Stiefel (links) erklärt dem Vorsitzenden der Laubgenossen die Sanierung der Grablege Eduard Brehmes. 


Die Laubgenossenschaft von Niederdorla finanzierte die Sanierung der Grabanlage der Familie des Mühlhäuser Oberförsters Eduard Brehme (1826-1903). Die mehrwöchige Sanierung und Sicherung führten Erhard und Christian Stiefel aus. Vater und Sohn sind erfahrene Steinmetze. Seit 2012 engagiert sich Erhard Stiefel für die Erhaltung der historische Grabstätten in Niederdorla.

Steinmetz Christian Stiefel erklärt die Sanierung der Grabanlage, von links Erhard Stiefel, Wolfgang Kleinschmidt, Klaus Willner, Rüdiger Schönfeld und Christian Stiefel.

Steinmetz Christian Stiefel erklärt die Sanierung der Grabanlage, von links Erhard Stiefel, Wolfgang Kleinschmidt, Klaus Willner, Rüdiger Schönfeld und Christian Stiefel. 


Brehme starb 1903 in Niederdorla. Er war Förster des Mühlhäuser Stadtwaldes und heiratete ein in die Vogteier Försterfamilie Baehr. Bis heute bekannt wurde Brehme durch das Pflanzen der Mammutbäume im Mühlhäuser Stadtwald im Jahr 1884. Aber noch über hundert Jahre nach seinem Tod ist der Name Brehme im Mühlhäuser Stadtwald gegenwärtig. Der Mühlhäuser Forstmann und sein Vogteier Kollege Baehr führten in Stadtwald und dem Vogteier Hainichwald die moderne Forstwirtschaft ein. Zu ihren Lebzeiten gehörten beide Forstgebiete zu Preußen.Der Vorsitzende der Laubgenossenschaft Rüdiger Schönfeld erklärte: “Der Vorstand der Genossenschaft befürwortete den Erhalt der Grabstätte.Wir wollen damit an die Generationen der Försterfamilien Brehme und Baehr erinnern.”

Der 93-jährige ehemalige Vogteier Förster Klaus Willner ließ es sich nicht nehmen, die restaurierte Grabstätte zu besuchen. Von 1951 bis 1953 war er Lehrling im Mühlhäuser Stadtwald. Immer wieder stieß Willner dabei auf Brehmes Lebenswerk. Auch Pfarrerin Sylke Klingner und Jens Hochheim vom Gemeindekirchenrat begrüßen die behutsame Sanierung.

In der Familiengrabstätte in der Formsprache des Späthistorismus an der Ostmauer des Niederdorlaer Friedhofs fanden mehrere Mitglieder der Familien Brehme und Baehr ihre letzte Ruhe. Eine schwarze Kette aus Gusseisen rahmt die Grablege ein. Die Umfassung und die Sockel der einzelnen Grabsteine und Platten besteht aus Niederdorlaer Muschelkalk aus dem Langulaer Tal. Dort sind heute noch viele Spuren einer langen Steinbruchgeschichte zu finden. Seit den frühen fünfziger Jahren wird der Bruch nicht mehr genutzt.

Die schwarze Grabkreuz der Grabanlage besteht aus Granit. Hinten in der Mitte überragt das Grabdenkmal für Eduard Brehme die anderen Grabmale. Der übermannshohe Stein wurde aus speziellen Beton gefertigt. Eine schwarze Glasplatte trägt die Grabinschrift. Eingerahmt wird der große Grabstein von Brehme von Pseudo-Stützen. Die Stützen sind verziert mit Spiralen und stilisierten Mohnpflanzen. Der Mohn stand symbolisch für den ewigen Schlaf.

Die Grabanlage zeigt die Mode ihrer Zeit. Es gab Musterbücher für Grabanlagen und Zubehör. Bereits 1996 hatte der Mühlhäuser Museumsdirektor Gerhard Seib über den historischen Friedhof von Niederdorla berichtet und gefordert die Anlagen unter Denkmalschutz zu stellen.

Ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wandelten preußische Förster alte Feudalwälder um in moderne Forste im heutigen Sinne. Somit sollte der enorme Holzbedarf der Industrialisierung gesichert werden. Dabei wurden Wälder nicht mehr einfach abgeholzt, sondern auch planmäßig wieder aufgeforstet. Die damalige Forstwirtschaft erfand das Prinzip der Nachhaltigkeit, was später auch auf andere begrenzte Ressourcen angewandt wurde.

Für seine Verdienste um die Forstwirtschaft erhielt Brehme den Kronenorden und den Rote-Adler-Orden. Das waren sehr hohe Auszeichnungen im Deutschen Kaiserreich. Davon erzählt 1903 der Nachruf für Brehme im Mühlhäuser Anzeiger.

Michael Zeng, Text und Fotos, Text unter Mitwirkung von Erhard Stiefel